2010 JD: Die Geschichte der Jakobidult in München



Pressemitteilung des Tourismusamtes
der Stadt München, Abteilung Presse- und
Öffentlichkeitsarbeit
(71/10 - 15.07.2010/Pa)

Vom Anger in die Au
Die Geschichte der Jakobidult in München
Auf dem Mariahilfplatz im Münchner Stadtteil Au lädt die Auer Dult zum Bummeln und Schauen, Essen und Trinken, Amüsieren und Einkaufen ein. Der traditionsreiche Markt mit Volksfestcharakter wird alljährlich dreimal für jeweils neun Tage vom Tourismusamt der Landeshauptstadt München veranstaltet.

Mit der Mai-Dult beginnt die städtische Volksfest- und Marktsaison, es folgt im Juli die Jakobi-Dult und der Reigen schließt sich mit der Kirchweih-Dult im Oktober.

Die jüngste Auer Dult ist die Jakobidult, die erst 1905 in die Au gekommen ist. Sie ist zugleich die älteste Münchner Dult und feiert in diesem Jahr ihr 700jähriges Bestehen, denn um 1310 ist ein „tultmargt“ zum St. Jakobs-Tag am Anger erstmals belegt.

„Dult“ – ein Begriff mit Erklärungsbedarf
Ursprünglich bedeutete der Name „tult“ oder „Dult“ Kirchenfest. Während eines solchen Festes, in der Regel zu Ehren eines Heiligen, wurden um die Kirche meist Verkaufstände aufgebaut und Waren feilgeboten.

Im Laufe der Zeit veränderte das Wort langsam seine Bedeutung und stand somit nicht mehr für „Kirchenfest“, sondern für „Jahrmarkt“. Ähnliche Bedeutungswechsel erfolgten bei „Messe“, „Kirchweih“ und „Kirmes“ (Kirchmesse).

Die Anfänge der Jakobidult
Die Franziskaner im Kloster am Anger, der ältesten Klosteranlage in München, förderten die Verehrung des Heiligen Jakobus durch Pilger und gläubiges Volk.

Da nach altem Stadtrecht vor Kirchen „chaempe, paternoster, lebzelten, slos, magram und wilde wurtz“ (Kämme, Rosenkränze, Lebzelten, Konfekt, Granatäpfel und Gewürz) verkauft werden durften, erlaubten die Mönche auch fliegenden Händlern und Krämern ihre Stände am Platz vor der Jakobskirche während des Patronatsfests um den 25. Juli, zu Jakobi, aufzuschlagen. So ging der Name des heiligen Jakobus auf die Jakobidult über.

Die Bedeutung der Jakobidult
Wurden auf den Wochenmärkten nur einheimische Marktkaufleute zugelassen, so durften nach alten Stadtrecht auf der Jakobidult von Anfang an auch auswärtige Händler ihre Waren feilbieten. Auf dem mehrtägigen und stark besuchten Jahrmarkt wurden Fernhandelsgüter umgesetzt. Tuchhändler, Kürschner, Lederer und Gewürzhändler gaben den Ton an. Tuche, Pelze, Gold- und Silberwaren wurden ausgestellt, gehandelt und großhandelsmäßig gekauft.

Die Jakobidult hatte im mittelalterlichen München den Stellenwert einer heutigen Messe und erlangte bis zum 18. Jahrhundert als wirtschaftspolitisches und gesellschaftliches Ereignis große überregionale Bedeutung.

Im Jahr 1315 erhob Ludwig der Bayer (1281-1347) die Jakobidult zur „freien gefreite Jahrmesse“. Dadurch konnten die auswärtigen Händler auf sicheres Geleit und Schutz vertrauen. Es herrschte Marktfrieden. Als Privileg wurden bis 1870 Anfang und Ende des Jakobimarktes feierlich ein- und ausgeläutet.

Die Jakobidult hatte ein großes Einzugsgebiet. Im Spätmittelalter besuchten viele Kaufleute aus Augsburg, Nürnberg, Regensburg, Nördlingen und Ulm die Dult, aber auch Händler aus Salzburg, Sachsen, Mähren, Schlesien und der Schweiz.

Auch Adel kam zur Dult nach München, wo in dieser Zeit die Stadtfahne auf dem Rathaus wehte. Um den Auswärtigen die Isarstadt möglichst attraktiv zu präsentieren, gab es den städtischen Aufruf, Mist und Kot aus der Stadt zu bringen und die Gassen zu säubern. Im 16. Jahrhundert präsentierten Hausierer aus Italien, Savoyen, dem Friaul, aus Schottland und den Niederlanden neben Tuchwaren auch „Seide, Seifen, Öle, Gläser, Dolche oder Augengläser aus Venedig“.

Allerhand fahrendes Volk unterhielt die Dultgäste: Da waren „Ärzte, Zahnbrecher und Steinschneider, Okulisten und Bruchschneider, Waldmänner oder Wurzelkramer, Quacksalber, Wasserdestillierer, Purgierzeltl und Pulvermacher, Gaukler, Moritatensänger, Menageriebesitzer und Taschenspieler, Fechter und Seiltänzer, Luftspringer, Komödianten, Policionella- oder Marionettenspieler“. Im 18. Jahrhundert war die Bretterbude der Puppenspieler fester Bestandteil der Jakobidult am Anger.

Lange Zeit blieb die Jakobidult die einzige Dult in München. Erst im 16. Jahrhundert kamen die Dreikönigsdult und Anfang des 18. Jahrhunderts die Magdalenendult in Nymphenburg dazu.

Das Scharlachrennen
Eine Besonderheit der Jakobidult war das Scharlachrennen, das alljährlich von 1448 bis 1692 vor dem Karlstor abgehalten wurde. Das Pferderennen, vom bairischen Herzog Albrecht III. und der Stadt gemeinsam ausgeschrieben, hat seinen Namen von dem für den Sieger ausgesetzten ersten Preis – ein großes Stück scharlachroten, wertvollen, englischen Tuches. Weitere wertvolle Sachpreise ließen gerne am Wettkampf teilnehmen.

Ein Kuriosum dieses Rennens: der letzte Reiter bekam als Trostpreis ein Schwein, das als die bekannte „Rennsau“ in die Umgangssprache einging. Zum letzten Mal wurde das Scharlachrennen im Jahr 1786 veranstaltet, bis 1810 die Münchner Bürgerschaft dieses Rennen anlässlich der Vermählung des Kronprinzen Ludwig, des späteren König Ludwig I., mit Prinzessin Therese von Sachsen-Hildburghausen wieder aufleben ließen.

Vom Anger in die Au
Mit wachsender Bedeutung der Jakobidult in den ersten Jahrhunderten stieg auch der Besucherstrom an und so wurde in der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts die Sendlinger Straße über kleine Gassen miteinbezogen. Die „Dultgasse“ erinnert heute noch daran. Ganze Abteilungen wurden ausgegliedert, so zogen die Tuchhändler zum Beispiel in den großen Saal des Rathauses und die Messerschmiede an die Schranne. Da der Dultplatz am Anger immer mehr bebaut wurde, musste die Jakobidult Ende des 18. Jahrhunderts endgültig verlegt werden.

Ab 1791 zog sie in die Kaufinger- und Neuhauser Straße und in die Weite Gasse (heute Ettstraße) um. Ab 1801 fand die Jakobidult auf dem heutigen Promenadeplatz statt, dann um 1803 auf dem Max-Joseph-Platz, ab 1819 wieder dem Promenadeplatz, in der Weiten Gasse und Neuhauser Straße und 1822 auf dem Maximiliansplatz. Aus sanitären und ästhetischen Gründen beschloss 1872 der Münchner Magistrat, die Dulten auf dem Maximiliansplatz aufzuheben.

Der zweite Bürgermeister Widenmayer plädierte sogar für die völlige Aufhebung der Stadtdulten. Nur dem Widerstand des Kollegiums der Gemeindebevollmächtigten war es zuzuschreiben, dass es nur zu einer Verlegung der Jakobidult auf dem Haidhauser Johannisplatz kam, wo sie von 1873 bis 1904 ihren Stammplatz hatte.

In der Au wurden am Platz vor der Mariahilfkirche bereits seit 1796 die Maidult und die Kirchweihdult abgehalten. Diese Dulten waren mit einem Tändlermarkt verbunden, dem sogenannten „Niederländer Markt, auf dem nur der Verkauf alter Hausgeräte und abgetragener Kleider gestattet war. 1905 kam die Jakobidult, die sich im 19. Jahrhundert allmählich zu einem Markt der Klein- und Landkrämer entwickelt hatte, hinzu und machte das bis heute gültige Dreigespann der „Auer Dulten“ komplett.

Für Rückfragen:
Dr. Gabriele Papke
Tourismusamt München
Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Sendlinger Str. 1
80331 München
Telefon (0049) (0) 89 - 233 - 30 211
Telefax (0049) (0) 89 - 233 - 30 269
E-Mail presse.tam@muenchen.de

Redaktion auerdult.de
Christian Niedermaier
WEB http://www.intergrafik.de
E-Mail info@intergrafik.de

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Die Jakobi-Dult im Angerviertel, 1756. Heute findet die Jakobi-Dult wie die beiden anderen Dulten (Mai-Dult, Kirchweih-Dult) auf dem Mariahilfplatz im Münchner Stadtteil Au statt.

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Die Jakobi-Dult im Angerviertel, 1756. Heute findet die Jakobi-Dult wie die beiden anderen Dulten (Mai-Dult, Kirchweih-Dult) auf dem Mariahilfplatz im Münchner Stadtteil Au statt.


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